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Sokrates 1)
von
Lothar Hegend
Sokrates,
freundlicher Denker, noch nie hast du Menschen verletzt.
Gegner war'n nur die Sophisten, sie hielten die Wahrheit
besetzt.
Fragend, -du halfst den Athenern, sich selber Erkenntnis
zu sein.
Trotzdem beschlossen die Richter, in Kürze dem
Tod dich zu weih'n.
Listenreich
hast du den Bürgern das Gute und Böse erklärt.
Richtschnur war nur dein Gewissen, -nun wird es von
vielen verehrt.
Freiwillig trankst du den Schierling 2),
die Freiheit hast du dir versagt.
Recht und Gesetz hast geachtet, und nie macht' der
Tod dich verzagt.
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Anmerkungen:
1) Sokrates, ein einfacher Athener Bürger, teilte mit
den Sophisten (eine Art Rechtsanwälte des antiken Athen)
die Meinung, dass nicht die Götter die ethischen Maßstäbe
setzen, sondern der Mensch. ("Der Mensch ist das Maß
aller Dinge!") Aber: Während die Sophisten meinten,
jeder einzelne könne für sich Gut und Böse
nach Belieben bestimmen - und damit aus Unrecht Recht machen,
sagt Sokrates, dass allen Menschen das gleiche Gefühl
für Recht und Unrecht (= Gewissen) angeboren sei. -Unter
einem Vorwand angeklagt, ließ er sich 399 v.Chr. hinrichten,
obwohl den Athenern der Schuldspruch peinlich war und man
das Gefängnis offen ließ.
In der Ahnengalerie der Abendländischen Kultur nimmt
Sokrates einen der ersten Plätze ein.
2)
Der Saft der Schierlingspflanze wirkt tödlich.
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